Textgrafik: Projekt 'Religionspluralismus im Kanton Luzern'

Medien

Information zur Präsentation des Faltprospekts
am 23. September 2004

Kerstin-Katja Sindemann M. A.
 

Hand aufs Herz: was wissen Sie über den taiwanesischen Fo Guang Shan-Orden? Oder über die hinduistische Organisation Brahma Kumaris? Wie oft sind Sie schon einem Lubawitscher Rebbe, einem Rabbiner der jüdischen Bewegung Chabad Lubavich, begegnet? Oder gar einem Schweizer Druiden? Vor allem: wussten Sie, dass alle diese Religionsgemeinschaften und weltanschaulichen Gruppen im Kanton Luzern heimisch sind?

 

Falls nicht, so können Sie sich jetzt anhand des neuen Faltprospektes "Religionsvielfalt im Kanton Luzern" umfassend informieren. Der Prospekt, der erstmalig vom Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern erstellt und gestaltet wurde, beschreibt insgesamt 32 nichtchristlichen Religionsgemeinschaften und weltanschauliche Gruppen. Drei jüdische, acht islamische, neun buddhistische, fünf hinduistische und sieben weitere religiöse bzw. weltanschauliche Gruppierungen werden – in Kurzform - mit ihrem religionshistorischen Hintergrund, ihrer Lehre und Praxis, ihrer Entwicklung im Kanton Luzern und organisatorischen Struktur dargestellt. Fotos vom jeweiligen spirituellen Versammlungsraum illustrieren den Text. Auf geographischen Karten des Kantons und der Stadt Luzern sind die Standorte der Synagogen, Moscheen, Tempel, Meditationszentren und Logenheime eingetragen, versehen mit Adresse, Telefonnummer und Emailanschrift. So kann jeder die Religionsgemeinschaften auch selbst besuchen und kennen lernen. Denn deren Existenz ist auf den ersten Blick nicht immer erkennbar. Während christliche Kirchen im Stadt- und Landschaftsbild kaum zu übersehen sind, muss man nichtchristliche Andachtsorte erst mühsam suchen. In unscheinbaren Mietwohnungen, Fabrikhallen, Gewerbegebieten oder Hinterhöfen gelegen, weisen oft nur kleine Schilder auf die religiöse Stätte hin. Finden die spirituellen Zusammentreffen in einer Privatwohnung statt, sind sie für den Nichteingeweihten kaum auffindbar.
 

Die in dem Prospekt erstmals umfassend dargestellte Vielfalt religiöser und weltanschaulicher Gruppen und Gemeinschaften ist einerseits durch Zuwanderung, andererseits durch Schweizer Konvertiten, die sich einer anderen Religion, Spiritualität oder Weltanschauung zugewandt haben, entstanden. Dieser Pluralismus ist längst Realität, hinter die es kein Zurück gibt. Und er bestimmt inzwischen in vielfacher Weise das Zusammenleben am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in den Schulen, im Freundeskreis oder gar in der eigenen Familie. Der Faltprospekt soll helfen, Vorurteile zu überwinden und Missverständnisse auszuräumen. Er will Anreiz sein, sich weiter zu informieren und in Dialog mit Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen zu treten.
 

Die Informationen wurden im Rahmen des religionswissenschaftlichen Forschungsprojektes "Religionsgeographie Kanton Luzern" zusammengetragen. Die Recherche war nicht immer einfach, da viele Gemeinschaften nicht oder nur wenig für sich werben. Von der Existenz einiger Gruppen war nur durch Zufall, aufgrund von Gesprächen und gezielten Hinweisen zu erfahren. Die Bereitschaft zur Kooperation war höchst unterschiedlich ausgeprägt. Während die Mehrzahl der Gemeinschaften gastfreundlich Tür und Tor öffnete, Informationsmaterial zur Verfügung stellte und die Gestaltung des Prospektes konstruktiv unterstützte, waren andere sehr zurückhaltend oder gar abweisend. Sei es, dass schlechte Erfahrungen aufgrund von Verfolgung, Vorurteilen oder Diffamierungen oder sei es, dass Angst vor Öffentlichkeit oder herabsetzender Darstellung eine Rolle spielten. Hier ist anzumerken, dass die religionswissenschaftliche Forschung sich per definitionem dazu verpflichtet sieht, fremde Religionen wertneutral, sachgebunden und faktenbezogen darzustellen. So sind in dem Prospekt auch Gemeinschaften erfasst, die mitunter als "Sekte" bezeichnet und damit stigmatisiert werden. Der Prospekt kann dazu beitragen, Wege zu Dialog und gegenseitigem Verständnis zu öffnen.
 

Auch sämtliche im Kanton Luzern ansässige christliche Kirchen, Gruppierungen und Orden sind in summarischer Form erfasst. Eine ausführliche Darstellung der innerchristlichen Vielfalt hätte allerdings den Rahmen des Forschungsprojektes gesprengt.
Mit ihrem Ziel, die Vielfalt religiöser und weltanschaulicher Gruppen vor Ort zu erfassen und zu dokumentieren, liegt das Luzerner Religionswissenschaftliche Seminar im internationalen Forschungstrend. Neu ist allerdings die Form: einen übersichtlichen Faltprospekt mit konzentrierter Kurzinformation und kartographischer Darstellung hat es bisher noch nicht gegeben. Hier hat die Luzerner Universität ein einmaliges Produkt geschaffen, das sicherlich Nachahmer findet.
 

Der Prospekt wird an Religions- und Ethiklehrer, Erwachsenenbildner, Integrations- und Beratungsstellen und Multiplikatoren kostenlos verteilt. Seine Herstellung wird von den Integrationsbeauftragten der Stadt Luzern, Frau Sibylle Stolz, und des Kanton Luzern, Herr Dr. Hansjörg Vogel, unterstützt. Für Inhalt und Herstellung zeichnet die Journalistin, Filmemacherin und Religionswissenschaftlerin Kerstin-Katja Sindemann verantwortlich, unter der Gesamtleitung von Professor Martin Baumann.
 

Öffentliche Präsentation mit Apero am 23.9.2004 um 18.15 Uhr im HS 1 des Universitätshauptgebäudes Pfistergasse 20.
Bestellungen an das Religionswissenschaftliche Seminar, Universität Luzern, Kasernenplatz 3, Postfach 7455, CH-6000 Luzern 7

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Letzte Aktualisierung: 22.12.2008