
Kerstin-Katja Sindemann M. A.
Der Faltprospekt "Religionsvielfalt im Kanton Luzern" hat inzwischen seine ersten Lebensmonate hinter sich und auch schon ein recht reges Eigenleben entfaltet. Zur Geburt kann man nachträglich noch festhalten, dass die Präsentation am 23. 9. über alle Erwartung sehr gut besucht war. Bevor jedoch die Glückwünsche zum Zug kommen konnten, wurde auch schon Kritik geäußert. Die im Prospekt aufgeführten Logen (Freimaurer, Druiden, Odd Fellows) sahen sich durch Titel und Legende des Prospektes als Religion kategorisiert, was sie nach ihrer Eigendefinition ablehnen. Sie wollen sich dezidiert als weltanschauliche Gemeinschaften verstanden wissen, wie sie am Präsentationsabend hervorhoben.
In einem klärenden Round-Table-Gespräch konnten die Vertreter des Religionswissenschaftlichen Seminars darlegen, dass sie von einem anderen und weiter gefassten Religionsbegriff als dem der Logen ausgehen. Dieser erlaubt es, die Logen - nicht zuletzt aufgrund ihrer Lehrinhalte, Gemeinschaftsbildung und Rituale - als "religiös" zu kategorisieren. Zugleich hob das Seminar hervor, dass es das Eigenverständnis der Logen als weltanschaulich respektiert und dieses in Zukunft noch deutlicher ausweisen wird. Eine solche Differenzierung hatte bereits in der Projektbeschreibung des Prospektes stattgefunden.
Ein anderer Kritikpunkt, der wiederholt geäussert wurde, war die verkürzte Darstellung der innerchristlichen Vielfalt und deren Auflistung in rein summerischer Form ohne Adressen und konfessioneller Unterscheidung. Auch hier war in der Kurzerläuterung zum Projekt darauf hingewiesen worden, dass eine solche ausführliche Veranschaulichung den doch sehr komprimierten Rahmen des Prospektes gesprengt hätte und das eigentliche Ziel, vor allem die nichtchristlichen Zentren und Gemeinschaften informativ aufzuzeigen, in der Relation verfehlt worden wäre. Allerdings laufen am Religionswissenschaftlichen Seminar inzwischen verstärkte Überlegungen, wie man in Zukunft auch der innerchristlichen Vielfalt gebührend gerecht werden kann. Eine Möglichkeit dafür bietet die Ausstellung im Rahmen des "Science et Cité"-Festivals im Mai 05, die sowohl das Forschungsprojekt "Religionspluralismus im Kanton Luzern" (www.religionenlu.ch) als auch Inhalte und Aufgaben von Religionswissenschaft vorstellen wird.
In Anbetracht kritischer Rückmeldungen soll jedoch nicht unterschlagen werden, dass uns auch eine grosse Mehrheit positiver und erfreulicher Bestätigungen erreicht hat. Viele Privatpersonen wie Institutionen äusserten ihre Zufriedenheit über den vorliegenden Prospekt, der die bisher kaum bekannte Bandbreite von Religion hier vor Ort informativ und übersichtlich aufzeigt. Schulen, Pfarreien, Krankenhäuser, Religionslehrer, Integrationsstellen, religiöse Zentren sowie universitäre Institutionen bestellten den Prospekt, und ein Ende der Anfragen ist noch nicht abzusehen. Exemplare können weiterhin kostenlos beim Religionswissenschaftlichen Seminar bestellt werden (relsem@unilu.ch). Ausserdem liegen Prospekte zur freien Entnahme im Hauptgebäude in der Pfistergasse 20 sowie im Kasernenplatz 3, 3.Stock, auf. Besonders erfreulich war auch das breite Medienecho, auf das der Faltprospekt stiess. Drei Radioberichte sowie sechs Zeitungsartikel sind die derzeitige Bilanz. Inzwischen wurde die Homepage www.religionenlu.ch auf den neusten Stand gebracht und wird auch weiterhin laufend aktualisiert. Denn auch religiöse Zentren gehen ein, wechseln den Aufenthaltsort, ändern ihre Kontaktadresse … Die Homepage wird sukzessive mit weiteren Fotos bestückt, die eine umfangreiche Illustration der religiösen Gemeinschaften bieten. Nicht unerwähnt sei abschliessend, dass die Forschungsergebnisse des Prospektes in weitere Lehrveranstaltungen, Vorträge und Projekte einfliessen, so etwa in einem Plakatprojekt, das von der Integrationsbeauftragten der Stadt Luzern initiiert wurde und in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst durchgeführt wird. Ziel ist eine Plakatserie zum Thema "Religionsvielfalt im Kanton Luzern", die parallel zur "Science et Cité"-Ausstellung in der Stadt zu sehen sein wird. Kooperationen mit der Seniorenuniversität, dem Religionspädagogischen Institut (RPI) und weiteren Ausbildungsinstitutionen geben Gelegenheit, die Inhalte und Anliegen des Prospektes vorzustellen. So hat das noch junge Baby doch recht schnell schon laufen gelernt.
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